Die Wissenschaft Informatik gewann in den vergangenen Jahren rasch an
Bedeutung, die in den nächsten Jahren sicherlich noch weiter zunehmen wird. Die
Ursachen für diese Entwicklung liegen in der zunehmenden Wichtigkeit von
Informationstechnologien für die wirtschaftliche Entwicklung, den vielfältigen
Einsatz-möglichkeiten und dem Preisverfall bei Informationstechnik.
Wir leben also in einer Zeit des Umbruchs, der so gravierend ist, dass er
alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfasst. Hieraus erwächst der
Bildung, insbesondere der gymnasialen, eine besondere Rolle. Junge Menschen
sollen mit einem hohen Stand an informatischer Bildung nach dem Abitur
erfolgreich studieren bzw. im Berufsleben bestehen können.
Die Schüler unseres Gymnasiums stehen, wie fast alle Kinder und Jugendliche,
dem Fach Informatik und dem Umgang mit der modernen Computertechnik sehr
aufgeschlossen gegenüber.
Diese Aufgeschlossenheit gilt es zu bewahren und zu fördern.
Der sächsische Lehrplan für Gymnasien sieht demgegenüber an obligatorischem
Unterricht nur eine Wochenstunde in der Klassenstufe 7 vor. Desweiteren können
die Schüler in der Sekundarstufe II den Wahlgrundkurs Informatik belegen, in dem
zwei Stunden pro Woche erteilt werden.
Es gibt schon heute viele kritische Stimmen, die dies nicht für zeitgemäß halten und entsprechende Forderungen hinsichtlich der Veränderung dieser Situation stellen. Die Spanne reicht von im Fachunterricht anzuwendenden Stoffelementen der Informatik bis hin zum informationstechnischen Profil für Gymnasien.
Dadurch könnten die Schüler besser mit der Vielschichtigkeit entsprechender Technologien vertraut gemacht werden und ihre Erkenntnisse direkt in den Unterricht anderer Fächer einfließen lassen.
Die Einrichtung fachübergreifender Kurse, der Ausbau der Arbeitsgemeinschaften oder fakultativen Angeboten zum Sammeln von entsprechenden Erfahrungen ist ein Gebot der Zeit.
Statistisch erwiesen ist, dass in anderen fortgeschrittenen Industrieländern dieser Welt, z. B. in den USA und Japan, die Ausstattung mit Informationstechnik wesentlich weiterentwickelt ist als in Deutschland. In Anbetracht dieser Situation und Tendenz werden auch hier entsprechende Anstrengungen notwendig.
Voraussetzung für den Erfolg ist die Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen.
Dafür bestehen in Chemnitz durch die Technische Universität günstige Voraussetzungen. Eine intensive Zusammenarbeit bringt nicht nur für die Schule in Form des Know How Vorteile, sondern sollte durch frühzeitige Kontakte der Schüler zu den entsprechenden Studieneinrichtungen auch dazu führen, dass diese sich für ein Studium "vor Ort" entscheiden und so bestehende Verbindungen fortführen.
Durch den zielgerichteten Einsatz der Computertechnik unterrichtsergänzend in allen Fächern entstehen neue Perspektiven der Wissensaneignung und Fortbildung für Lehrer und Schüler.
Aus diesem Grund befasst sich unser Orientierungsrahmen nicht nur mit den Aufgaben des Fachbereichs Informatik. Dies erfordert eine kontinuierliche und intensive Zusammenarbeit aller Fachbereiche und eine breite Aufgabenverteilung im Kollegium, wobei der Informatik die Rolle der Koordination der Aufgaben mit der vorhandenen Technik zukommen wird.
So muß zur Normalität werden, das der Computer als echtes Arbeitsmittel im Fachunterricht eingesetzt wird.
1 Informatik/Informatikunterricht
1.1 Ziele und Aufgaben (Grundkonzept der GI- Fachgruppe)
Ausgehend von der Auffassung der Informatik als die Wissenschaft, die Technik und die Anwendung der maschinellen Verarbeitung und Übermittlung von Informationen1 leiten sich die grundlegenden Positionen für die Bestimmung von Zielen einer informatischen Bildung i.e.S. (in Form des Unterrichtsfaches Informatik) ab. Eine solche Begriffsauffassung umfaßt die theoretischen Grundlagen von Informatiksystemen ebenso wie Methodik, Analyse und Konstruktion solcher Systeme sowie deren Anwendungen und Auswirkungen ihres Einsatzes.Als solche allgemeinen Ziele des Informatikunterrichts können formuliert werden3:
Der Informatikunterricht als Kernstück der informatischen Bildung hat vor allem die Aufgabe, die Alltagserfahrungen und Vorkenntnisse in einen fachlichen Kontext einzuordnen. Er dient der Darstellung und Systematisierung von Begriffen und Grundzusammenhängen der Informatik sowie der Vervollständigung von Kenntnissen und Einsichten zu grundlegendem Allgemeinwissen für eine künftige Informationsgesellschaft.4
Die Erfahrungen aus unterschiedlichen Modellen einer Grundbildung (sog. ITG) zeigen auch deren Grenzen, insbesondere bezüglich des Umgangs mit den notwendigen Fachtermini und der Arbeitsmethodik bei der Nutzung von Informatiksystemen. Diese Anforderungen an die schulische Ausbildung ist auf Dauer auch im sächsischen Gymnasium nur durch ein Pflichtangebot in der Sekundarstufe I zu leisten, das wenigstens durch einen Grundkurs in der Sekundarstufe II (in der Perspektive mit Prüfungsmöglichkeit im Abitur5) ergänzt wird. Dabei ist darauf zu achten, dass auszuwählende Themen sich dem Erreichen der Ziele unterordnen und kein Dogma bilden. Im Mittelpunkt des Informatikunterrichts steht zu keinem Zeitpunkt die Unterweisung in einer bestimmten Anwendung oder die Benutzung einer Programmiersprache (im Sinne von Produktschulungen); diese sind lediglich Werkzeuge zur Vermittlung von Inhalten der Informatik, zum Erlernen der Arbeitsmethodik des Faches und zum Beurteilen des Einsatzes der jeweiligen Systeme.
Ungeachtet eines möglichen Stundenvolumens erweisen sich die folgenden Zielstellungen für die Sekundarstufe I des Gymnasiums als geeignete Basis6:
Aufbauend auf einem diese Anforderungen verwirklichenden Informatikunterricht in der Sekundarstufe I ist ein Unterricht als Wahlangebot in der Sekundarstufe II eine notwendige Erweiterung der Bildungsmöglichkeiten, gerade vor dem Hintergrund von Berufstätigkeit oder Studium künftiger Abiturienten. In diesem Sinne ist ein Informatikunterricht entsprechend dem existierenden Schulprofil in der Sekundarstufe II auch in Kursen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen denkbar. Allerdings sollte beachtet werden, dass auch hier nicht die verwendete Anwendung im Mittelpunkt des Kurses oder eines Teilabschnittes stehen kann, sondern diese lediglich der exemplarischen Umsetzung grundlegender Fachinhalte dient.
Der Unterricht in der Sekundarstufe II sollte bei Beachtung der notwendigen fachlichen Basis und der geeigneten wissenschaftlichen Grundlagen folgende Ziele erreichen:
Autoren:
S. Friedrich, TU Dresden (sf2@inf.tu-dresden.de)
M.
Pabst, Lessing-Gymnasium Plauen (mirko.pabst@gmx.de)
1.2 Jahrgangsspezifische Ziele und Themenübersicht
1.2.1 Klassenstufe 7
Ziele:
Die Schüler
| Themen | Inhaltliche Schwerpunkte |
| 1. Einführung in die Informatik | Historische Entwicklung der
Informatik und Datenverarbeitungstechnik Grundbegriffe der Informatik Arbeiten im Schulnetz (Bedeutung des Ein- und Auslogens, des Nutzerkennzeichens und Paßwortes) |
| 2. Informatiksystem Computer | Hardware: Computerarchitektur Computerbestandteile und deren Zusammenwirken E-V-A-Prinzip Software: Bedeutung des Betriebssystems Grundfunktionen des Betriebssystems Hilfesysteme |
| 3. Arbeiten mit Grafiken | Pixel- und
Vektorgrafik Bildgestaltung mit Pixelgrafikprogramm Verschiedene Grafikformate - Konvertierung Fotobearbeitung |
| 4. Arbeiten mit Texten | Erfassen, Bearbeiten, Gestalten und
Verwalten von Texten Versenden von Texten (direkt über Textverarbeitungsprogramm und indirekt über eMail) |
| 5. Übung und
Vertiefung (Projektarbeit) |
Zusammenwirken der kennengelernten Anwendersoftware in einem Projekt |
1.2.2 Klassenstufe 8
Ziele:
Die Schüler
| Themen | Inhaltliche Schwerpunkte |
| 1. Arbeiten mit Tabellen | Erstellen und Bearbeiten von Kalkulationstabellen Formeln und Funktionen in TabellenAbsolute und relative Bezüge, Zellinhalte und Verknüpfungen in TabellenGrafische Darstellung und Auswertung von Tabellen in DiagrammenZusammenwirken von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation |
| 2. Arbeiten mit Datenbanken | Möglichkeiten der Datenerfassung und DatenverwaltungSchutz von persönlichen Daten - DatenschutzgesetzDatenbanken im ComputerErstellen von Formularen und Listen Arbeiten mit Datenbanken (Sortieren, Filter, Suchen, Auswerten von Datenbeständen)Strukturen von DatenbankenSuchsysteme - Arbeiten mit SuchsystemenSuchen im WWWZusammenwirken von Textverarbeitung und Datenbank im Serienbrief |
| 3. Komplexe
Übungen (Projektarbeit) |
Zusammenwirken der kennengelernten Anwender-software in einem ProjektKritische Wertung anderer und der eigenen Projektarbeit |
1.2.3 Klassenstufe 9
Ziele:
Die Schüler
| Themen | Inhaltliche Schwerpunkte |
| 1. Netzwerke und Kommunikationssysteme | Grundbegriffe zu
Netzwerken Netzwerktopologien im Vergleich Dienste in Netzwerken Übertragungsprotokolle Beispiele an LAN und WAN Domäne, URL, TCP/IP Suchalgorithmen, kritische Bewertung von Informationen, Datenschutz |
| 2. Einführung in die Programmierung | Begriff des
Algorithmus richtiger Umgang mit Datentypen Programmstrukturen Unterprogramme Rekursion |
| 3. Komplexe Übungen in
Gruppen (Projektarbeit) |
Komplexes Programm in Teamarbeit |
1.2.4 Klassenstufe 10
Ziele:
Die Schüler
| Themen | Inhaltliche Schwerpunkte |
| 1. Gesellschaftliche und historische Aspekte der Informatik | Entwicklung der Datenverarbeitung
(aktueller Entwicklungsstand und Tendenzen der
Datenverarbeitung Computer als Werkzeug-Denkzeug-Informationsquelle (Veränderungen in Bildung, Berufsleben und Privatsphäre) |
| 2. Präsentationen | visuelle
Darstellungsmöglichkeiten - Layout DTP Einsatzmöglichkeiten, Vergleich mit Textverarbeitung Layoutentwurf, Feinlayout DTP-Dokument) Bildschirmpräsentationen Zusammenwirken von Text, Grafik und Sound, Verknüpfungen HTML Quellcode Hypermediawerkzeuge (Objekte-Attribute-Operationen-Beziehung)Aufbau einer Homepage, Beachtung der Urheberrechte Planung und Gestaltung einer Homepage |
| 3. Komplexe Übungen als Teamwork (Projektarbeit) | Suche und Planung des Themas,
sowie Auswahl der geeignete Darstellungsform durch
Schülergruppe Präsentation von Zwischenergebnissen |
| Stoffgebiete | Richtstundenzahl |
| Klassenstufe 7 | 30 Stunden |
| 1. Einführung in die
Informatik 2. Informatiksystem Computer 3. Arbeiten mit Grafiken 4. Arbeiten mit Texten 5. Übung und Vertiefung |
2 Stunden 4 Stunden 8 Stunden 10 Stunden 6 Stunden |
| Klassenstufe 8 | 30 Stunden |
| 1. Arbeiten mit Tabellen 2. Arbeiten mit Datenbanken 3. Komplexe Übungen |
12 Stunden 12 Stunden 6 Stunden |
| Klassenstufe 9 | 30 Stunden |
| 1. Netzwerke und
Kommunikationssysteme 2. Einführung in die Programmierung 3. Komplexe Übungen in Gruppen |
12 Stunden 12 Stunden 6 Stunden |
| Klassenstufe 10 | 30 Stunden |
| 1. Gesellschaftliche und
historische Aspekte der Informatik 2. Präsentationen 3. Komplexe Übungen als Teamwork |
4 Stunden 18 Stunden 8 Stunden |
2 Anlage
2. 1 Hinweise und Empfehlungen für den fachübergreifenden Unterricht
fachübergreifende Aspekte
| Stoffgebiet | Unterrichtsfach | Anwendungsbereich |
| Computeraufbau und
Wirkungsweise |
Physik, Werken | Elektrizitätslehre, elektrische
Schaltungen |
| Textverarbeitung | Deutsch Geschichte Naturwissenschaften |
Vortrag, Bericht, Formular,
Briefe, Lebenslauf, amtliche Schreiben Flugschriften Protokolle |
| Computergrafik | Kunsterziehung Werken |
Farbenlehre, Bildgestaltung,
Bildbearbeitung, Perspektive, Computerkunst Technische Zeichnungen |
| Tabellenkalkulation | Mathematik Physik, Chemie Geographie, Geschichte |
Prozentrechnung, Proportionen,
Funktionen, Diagramme, Statistik Meßwerterfassung, Diagramme Auswertung von Diagrammen und Tabellen, Klimadiagramme, Interpredation von Statistiken |
| Datenbanken Textverarbeitung/Datenbanken |
Allgemein Chemie Physik Deutsch |
Begriffskataloge,
Enzyklopädien, Mediendatenbanken Periodensystem der Elemente, Verbindungsdatenbanken Werkstoffdatenbanken Serienbriefe |
| Netzwerke und Kommunikationssysteme |
Fremdsprachen,
Geschichte, Deutsch, Naturwissenschaften Ethik Fremdsprachen |
Kommunikation über
elektronische Medien, Recherchen Umgangsformen im Netz (Netikette) Weltweiter Informationsaustausch |
| Programmierung | Mathematik Physik, Chemie |
Funktionsweise
von programmierbaren Taschenrechnern Computersimulation von physikalischen bzw. chemischen Vorgängen |
| Gesellschaftliche und historische
Aspekte der Informatik |
Geschichte, Gemeinschaftskunde,
Ethik |
Gesellschaftliche und private
Auswirkungen der Informatik, Geschichte der technischen Errungenschaften Informationsgesellschaft |
| Präsentationen | Allgemein | Vortragsgestaltung,
Jahresarbeiten, Projekte, Publikationen, Plakate |
2. 2 Ansprechpartner
| Herr Rainer Werner werner@goethe.c.sn.schule.de R.Werner@t-online.de |
Herr Frank Hoffmann hoffmann@goethe.c.sn.schule.de Troppe.Hoffmann@t-online.de |
Herr Lutz Arnold L.Arn@gmx.de |
Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium Chemnitz
Bernsdorfer Straße
126
09126 Chemnitz
Tel.: 0371/52 07 00
Fax: 0371/52 07
00
URL: http://www.tu-chemnitz.de/home/ods/goethe/
2. 3 Urheberrechte
Das vorliegende Material wurde von der Fachschaft Informatik des Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasiums Chemnitz in Zusammenarbeit mit Mitgliedern der GI-Arbeitsgruppe Sachsen als Orientierungsrahmen für den Informatikunterricht der Klassen 7-10 am J.-W.-v.-Goethe-Gymnasium Chemnitz erstellt.
Dieser Orientierungsrahmen entstand auf der Grundlage der "Konzeption zur Schulentwicklung" des J.-W.-v.-Goethe-Gymnasiums vom 04.03.1997 und dem Antrag auf den Schulversuch " " vom 30.9.1999.
Die Ziele und Aufgaben des Informatikunterrichts (1. 1 Ziele und Aufgaben) wurden durch die GI-Fachgruppe Sachsen Arbeitskreis "Gesamtkonzept" unter Leitung von Prof. Friedrich erstellt und erheben noch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.
In diesem Sinne ist dieses Material ausschließlich zur Diskussion und einer möglichen Zusammenarbeit gedacht und darf nicht kopiert oder veröffentlicht werden.
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zuletzt geändert am 13. 04. 2000 |
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